KI-Optimierung messen: So prüfe ich, ob GEO wirkt
Fragen Sie ChatGPT heute nach Anbietern in Ihrer Branche und morgen noch einmal: Die Antworten unterscheiden sich. Ein einzelner Screenshot beweist deshalb weder Erfolg noch Misserfolg. Wer KI-Sichtbarkeit verbessert, braucht eine Messung, die diese Schwankung einrechnet.
Von Julius Worm, Gründer von WORMFX.AI. Lesezeit: 6 Minuten.
Warum ein Screenshot nichts beweist
KI-Systeme formulieren jede Antwort neu. Je nach Plattform greifen sie auf andere Quellen zu, einige nutzen eine Websuche, andere nicht. Eine Nennung, die heute erscheint, kann morgen fehlen, ohne dass sich an Ihrer Website etwas geändert hat.
Daraus folgen vier Regeln für jede Messung: viele Fragen statt einer, mehrere Plattformen statt einer, mehrere Messungen mitteln statt einer Momentaufnahme, und immer dieselbe Methode vergleichen.
Aussagekräftig wird eine Messung durch drei Dinge: dieselben Fragen, dieselben Plattformen, dieselbe Berechnung. Ändert sich eines davon, sind zwei Werte nicht mehr vergleichbar.
Drei Dinge, die ich messe
KI-Sichtbarkeits-Score
Wie oft und wie prominent Ihr Unternehmen in den Antworten von ChatGPT, Gemini, Perplexity und Claude vorkommt. Das ist die Hauptzahl.
KI-Traffic
Besuche auf Ihrer Website, die aus KI-Systemen kommen. Ich lese sie aus Google Analytics 4, aus der Kanalgruppe „AI Assistant“, getrennt nach Quelle.
Technik-Check
Ob KI-Crawler Ihre Seite überhaupt lesen können: robots.txt und HTTP-Zugriff für Bots wie GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot, strukturierte Daten nach Schema.org, llms.txt und Sitemap.
Der Score zeigt das Ergebnis, der Traffic den Nutzen, der Technik-Check die Ursache, wenn ein Wert ausbleibt.
So entsteht der KI-Sichtbarkeits-Score
Der Score besteht aus zwei Teilen. Die spontane Empfehlung zählt zu 60 Prozent, die Markenerkennung zu 40 Prozent.
Spontane Empfehlung
Ich stelle fünf Fragen, wie ein Interessent sie stellen würde, zum Beispiel nach Anbietern für eine Leistung in Ihrer Stadt. Vier Fragen nennen Ihren Markennamen nicht, eine nennt ihn. Jede Frage geht an vier Plattformen: ChatGPT, Gemini, Perplexity und Claude, jeweils mit Websuche. Das ergibt 20 Antworten pro Messung.
Markenerkennung
Hier prüfe ich, was die Systeme über Ihre Marke wissen. Ich nutze sechs Standardfragen und ergänze eigene Keywords, insgesamt bis zu zehn Fragen. Auch sie gehen an alle vier Plattformen, also bis zu 40 Antworten. Zwei der Fragen fragen direkt nach Ihrer Marke.
Mehrere Messungen, ein Wert
Der Score ist der Durchschnitt aus bis zu drei Messungen. So zählt keine Zufallsantwort zu stark. Unvollständige Läufe, etwa wenn eine Plattform nicht antwortet, fließen nicht ein.
Warum der Vergleich fair bleibt
Für den Vergleich zweier Zeitpunkte nutze ich dieselben Fragen, dieselben Plattformen und dieselbe Berechnungsversion. Jede Antwort wird vollständig gespeichert, mit Erwähnung, Position und Kontext. Wenn sich ein Wert verändert, kann ich nachlesen, woran es lag.
Der kostenlose GEO-Check auf meiner Website ist bewusst kleiner: zwei Plattformen, Perplexity und ChatGPT, mit je fünf Fragen. Er eignet sich für eine erste Einschätzung, ist aber mit dem Score nicht vergleichbar.
KI-Traffic: der Beleg auf Ihrer Website
Sichtbarkeit in einer KI-Antwort wird geschäftlich erst relevant, wenn daraus Besucher werden. In Google Analytics 4 ordnet die Kanalgruppe „AI Assistant“ Besuche von ChatGPT, Perplexity, Gemini, Claude und weiteren Systemen zu. Ich lese diese Sitzungen monatlich aus und zeige sie je Quelle.
Das Diagramm zeigt erfundene Beispieldaten, um ein typisches Muster zu zeigen: Der Traffic steigt über mehrere Monate und verteilt sich auf mehrere Quellen. In der Praxis sind die Zahlen oft kleiner, entscheidend ist auch dann der Verlauf. Steigt der Score und folgt der Traffic, wirkt die Optimierung. Steigt nur der Score, sehe ich mir an, ob die Antworten zum Klick einladen.
Vorher und nachher: der Vergleich mit dem Ausgangswert
Bevor ich etwas ändere, messe ich den Ausgangswert. Nach den Maßnahmen messe ich mit denselben Fragen, denselben Plattformen und derselben Berechnung erneut. Dazwischen liegt Zeit, denn KI-Systeme übernehmen Änderungen nicht über Nacht. Ich vergleiche deshalb Durchschnitte und keine Einzelwerte.
Was ich nicht verspreche: ein bestimmtes Ranking oder eine feste Nennung in einzelnen KI-Systemen. Messbar ist, ob Ihre Sichtbarkeit im Durchschnitt steigt.
Häufige Fragen
Wie oft sollte ich meine KI-Sichtbarkeit messen?
Der Score ist der Durchschnitt aus bis zu drei Messungen, und ich beobachte ihn im Zeitverlauf. Für Entscheidungen zählt der Trend über mehrere Wochen, nicht ein einzelner Tag.
Kann ich selbst prüfen, ob ChatGPT mein Unternehmen nennt?
Ja, als Stichprobe. Stellen Sie mehrere Fragen, wie ein Kunde sie stellen würde, und wiederholen Sie sie an verschiedenen Tagen. Für einen belastbaren Vergleich brauchen Sie feste Fragen, mehrere Plattformen und eine einheitliche Auswertung.
Warum ist mein KI-Traffic so niedrig?
Viele KI-Antworten enden ohne Klick, weil das System die Antwort direkt gibt. Die absolute Höhe sagt deshalb wenig. Aussagekräftiger ist der Verlauf, zusammen mit dem Score.
Wie sichtbar ist Ihr Unternehmen für KI?
Ich zeige Ihnen, wo Sie heute stehen: mit dem kostenlosen GEO-Check für eine erste Einschätzung oder mit dem Visibility Sprint für die vollständige Messung.